GEZ trotz Werbung?

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GEZ trotz Werbung?

Beitragvon redaktion am Mo 21. Dez 2009, 18:56

Es nervt. Da bin ich eigentlich Fan der öffentlich-rechtlichen Medien, aber der Hauptunterschied zu den Privaten wäre nun mal, dass die öffentlich-rechtlichen Medien unabhängig von der Privatwirtschaft sein könnten, unabhängig von Werbeeinnahmen und damit auch unabhängiger vom Quotenwahn mit entsprechender Programmverflachung.

Aber es ist längst anders, wenn nun schon seit Jahren über die Werbeblöcke hinaus auch noch Werbeeinblendungen behaupten, dass sogar die Nachrichtenformate von Banken oder Versicherungen bezahlt seien, während doch meine mehr als 300 € pro Jahr an GEZ für den Informations- und Unterhaltungsauftrag genügen sollten: "Der Wetterbericht wurde Ihnen präsentiert von der Commerzbank, der Beraterbank". Seit wann betreibt diese Bad-Bank, die sich kaum selbst zu beraten wusste, eine Wetterstation?

Nun forderten Verbandsvertreter der Privatsender ein Werbeverbot bei den öffentlich-rechtlichen Radiosendern, denn Werbeeinnahmen plus GEZ verzerren immerhin den Wettbewerb erheblich. Und das ist wahr. Aber daran mogelt sich der Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission, Bernhard Hermann, mit der Behauptung vorbei, dass die Werbung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gewährleiste, dass das Radio überhaupt ein Werbeträger sei, dass also die Privaten mit der Werbeverbotsforderung bei den GEZ-Sendern sich selbst den Ast absägen würden.

Mit solch dreistem Unsinn kommt ein Verantwortlicher der öffentlich-rechtlichen Medien? Das ist unglaublich - und unwürdig, wie es nur für übelste Lobbyisten der Privatwirtschaft gewöhnlich ist. Solche Leute können/dürfen nicht für die öffentlich-rechtlichen Medien verantwortlich sein.

Nachstehend der Wortlaut der ARD-Presseerklärung:
ARD Pressemeldung

ARD gegen Werbeverbot im HörfunkDie ARD weist die Forderung des VPRT und seines stellvertretenden Vorsitzenden Hans-Dieter Hillmoth nach Werbeverboten bzw. -beschränkungen in den Hörfunkprogrammen der ARD entschieden zurück.

"Mit Verwunderung haben wir diesen weiteren abenteuerlichen Vorschlag zur Selbstabschaffung der Privatradios zur Kenntnis genommen. Nachdem sich Teile der im VPRT organisierten kommerziellen Radioveranstalter schon mit ihrer Verweigerungshaltung bei der digitalen Entwicklung des Radios von der Zukunft verabschieden, wollen sie nun offenbar auch ihre einzige Einnahmequelle, die Werbung, aufs Spiel setzen", erklärt der Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission, Bernhard Hermann, nach der ARD-Sitzung in Berlin. "Ohne Werbung in den öffentlich-rechtlichen Radioprogrammen hat Radiowerbung ganz sicher keine Zukunft."

Die ARD erreicht mehr als die Hälfte der Hörer und Verbraucher mit Radiowerbung. Ein Werbeverbot oder Einschränkungen würden dazu führen, dass der Hörfunk für die Werbewirtschaft ein zu kleiner und deshalb für nationale Werbung uninteressanter Markt wäre. Dieses Ergebnis wird auch von einer unabhängigen Studie gestützt, die 2003 auf Anregung der BLM erstmals in Auftrag gegeben wurde und 2009 für die Münchner Medientage aktualisiert wurde.

Der öffentlich-rechtliche Hörfunk ist daher in nahezu allen Bundesländern unverzichtbar, um eine werberelevante Medialeistung zu erzielen. ARD-Radio ist der Stabilisator für die Leistungsstärke des Mediums Radio als Werbeträger.

Stand: 02.12.2009
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GEZ-Medien umstrukturieren

Beitragvon redaktion am Mo 25. Jan 2010, 17:48

Das vorstehende Posting war jemandem verdächtig, Lobbyismus für die Privaten zu sein. Das "Fan der öffentlich-rechtlichen Medien" schaue nach Durchsicht weiterer Texte eher nach Lippenbekenntnis aus - und "schlechte Verteidiger seien schlimmer als aufrichtige Angreifer". Letzteres gilt übrigens nur ausnahmsweise.

Aber solch Eindruck soll insgesamt nicht sein. Zwar erscheinen mir die jährlich ca. 300 Euro für die GEZ zwar tatsächlich überteuert, zumal kein Mensch in seinem Büro, seinem Wohnzimmer und seinem Firmen-PKW gleichzeitig Radio hören kann, aber dreifach zur Kasse gebeten wird.

Aber ganz klar: Die Privaten können sich aufgrund ihrer größeren Abhängigkeit von Werbeeinnahmen im Vergleich zu den GEZ-Anstalten erheblich weniger "freien Journalismus" leisten, was auch immer sie uns an "Unabhängigkeit" vorgaukeln, sondern allenfalls mal auf ohnehin schon strauchelnde Strolche eindreschen, denen sie zuvor den Diener machten.
Die Privatsender taugen allenfalls für Sensationsmache und ihre gegenseitige Hype-Trittbrettfahrerei, denn es gibt eben auch den Zusammenhang von Qualitätsjournalismus und Qualitätspublikum: "Geiz ist geil" ist keine Domäne des Pöbels allein, weshalb nur mit unterschiedlicher Intonation identische Inhalte zu erwarten sind: "Ohne Kernkraft gehen die Lichter aus" oder "Die Renaissance der Kernenergie", ..., bis zur nächsten Havarie, die aber durch Erdbeben, Terror und Spendenskandal bald wieder in der Ablage landet.

Qualitätssendungen, wie es beispielsweise das ZDF mit dem Frauenmagazin "Mona Lisa" oder die ARD mit "Titel, Thesen, Temperamente" reihenweise produziert, sind bei den Privaten kaum Nadel im Heuhaufen, auch nicht bei "SPIEGEL-TV" oder "STERN-TV", deren TV-Reportagen weit hinter die Printmagazine zurückfallen.

Allerdings verkürzt sich der Qualitätsabstand zwischen den GEZ-Medien und den Privaten in dem Maße, wie die GEZ-Medien im bloßen Unterhaltungsmarkt mitspielen möchten und für überteuerte "Stars" und Übertragungsrechte mehr und mehr Werbeeinnahmen brauchen.
Darum müssten die GEZ-Medien deutlich umstrukturiert werden, was durchaus mit deren Rückschnitt auf Informations- und Kulturformate, mit enormen Arbeitsplatzverlusten einhergehen würde - bzw. viele Arbeitsplätze würden sich zu den Privaten verlagern, diese politisch aufwerten, ohne dass sich deren Programme verbessern, aber die Grenzen wären weniger vermischt und aufstrebenden Monopolen könnte man ebenfalls Gegenhormone normieren.

Und das Gebührensystem ist längst überholt, denn öffentlich-rechtliche Anstalten, die einfach um ihrer Existenz Willen bezahlt werden sollen und nicht "verbrauchsabhängig", die sollten aus Steuermitteln finanziert werden.

Nun werden solche Wünsche den Seilschaften nicht maßgeblich sein, zumal durchaus bitter, wenn Kritik den unkritischeren Privaten nutzt, aber das muss einem ja nicht gleich das Leben vergrausen, denn Kritik, die zwar nichts zu ändern vermag, vermag immerhin manchen Unterschied zu erhalten, auf den es mit den öffentlich-rechtlichen Medien ankommt.

Und schließlich: Wenn jemand in dieser Republik den öffentlich-rechtlichen Medien schadet, dann tun das das solche Politiker, die bei "Hart aber fair", "Anne Will" und "Promi-Quiz" einen netten Eindruck machen wollen, "Antwort A, B, C oder D?", aber bei kritischen Reportagen vollkommen dreist jegliche Antwort verweigern, wie es bei "Monitor" und anderen Sendungen keine Seltenheit ist.
Diese Leute haben vom öffentlich-rechtlichen Auftrag nichts verstanden oder zu gut, und wollen anstelle von Information Hofberichterstattung, Brot und Spiele.

ps: Links, die nicht funxen, zeigen nur, dass wir längst nicht alles definierten, was zu definieren erforderlich wäre. Aber die Welt geht davon nicht unter, sondern lässt uns keine Langeweile aufkommen.
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